Für Pflanzenkohle werden weltweit C-Senken-Zertifikate ausgestellt, die meisten im so genannten freiwilligen Markt (vgl. Kasten). Basis für diesen freiwilligen Markt bildet ein komplexes System von Rahmenwerken, Standards und Registern, Validierungs- und Verifizierungsstellen sowie Vermarktungsorganisationen. Ein Überblick, der Durchblick verschaffen soll.
Global Biochar C-Sink Standard, Gold Standard, Isometric, Puro.earth, Rainbow, Verra: Es gibt verschiedene Standards, um Pflanzenkohle als C-Senke zu zertifizieren. Die Standards werden von privaten Unternehmen bereitgestellt und stellen sicher, dass die C-Senken-Zertifikate vertrauenswürdig, transparent und echt sind. Dabei stützen sich die Standards auf einen übergeordneten Rahmen, der Grundprinzipien für einen nachhaltigen Kohlenstoffmarkt vorgibt.
Wer legt die Grundprinzipien fest?
Über mehr als ein Jahrzehnt war ICROA das «Gewissen» im Kohlenstoffmarkt und legte diese Grundprinzipien für Anbieter von CO2-Zertifikaten fest. Wichtige Kriterien dabei sind die Zusätzlichkeit, eine unabhängige Verifizierung, die die Rückverfolgbarkeit in einem Register und die Nachhaltigkeit. Ende 2024 hat die EU mit der EU CRCF einen gesetzlichen Rahmen für «Carbon Removals and Carbon Farming» geschaffen – auch Pflanzenkohle ist darin offiziell als CO2-Entnahme anerkannt. Damit werden Grundprinzipien den C-Senken-Markt in Europa erstmals regulatorisch verbindlich vorgegeben. 2026 wurde nun die EU-CRCF-Methode für die Zertifizierung von C-Senken aus Pflanzenkohle veröffentlicht. Neben ICROA und der EU CRCF existieren zwei weitere Initiativen, die Rahmenbedingungen für den Kohlenstoffmarkt vorgeben: CORSIA für die Luftfahrt und ICVCM für weltweite Kohlenstoff-Zertifikate (nicht nur Senken).
Die Standardgeber lassen ihre Standards durch ICROA, ICVCM oder EU CRCF anerkennen, um die Glaubwürdigkeit zu stärken.
Wie werden Projekte überprüft?
Ein Grundsatz bei allen anerkannten Standards für C-Senken-Zertifikate ist, dass Projekte zweifach überprüft werden. Zuerst erfolgt die Validierung: Das Pflanzenkohle-Projekt wird anhand eines Project Design Document und weiteren schriftlichen Unterlagen einer technischen Vorprüfung unterzogen. Im Dokument werden unter anderem die Pyrolyse-Technologie, die Biomasse sowie die Berechnungen für die C-Senke festgelegt. Gleichzeitig muss ein Monitoring-Plan vorgelegt werden. Nach der Umsetzung des Projekts folgt die Verifizierung: Dabei wird vor Ort geprüft, ob die Anlage so betrieben und überwacht wird, wie im Rahmen der Validierung vereinbart. Erst dann wird das C-Senke-Zertifikat (ex post) vergeben. Validierung und Verifizierung werden nicht vom Standardgeber durchgeführt, sondern durch eine dritte, unabhängige Prüfstelle. Diese Prüfstellen müssen von einer unabhängigen Stelle akkreditiert sein, z.B. ANAB oder DAkkS.
Ökosystem rund um C-Senken-Standards.
Wie läuft der ganze Zertifizierungsprozess konkret ab?
Ist ein Projekt validiert, folgt der Prozess von der Produktion der Pflanzenkohle bis zur Vermarktung und Stilllegung über mehrere Stufen ab. Der Prozess wird im Folgenden am Beispiel des Global Biochar C-Sink Standards aufgezeigt (vgl. Grafik). Nach der Validierung seines Projekts, gibt der Hersteller im Biochar Tool die Daten seiner Batches ein. Das Tool berechnet gemäss den validierten und verifizierten Angaben des Herstellers den Wert des C-Senken Potentials der Pflanzenkohle am Fabriktor. Mit einem weiteren Instrument, einem dMRV (digital Monitoring, Reporting, and Verification), wird die Pflanzenkohle ab Fabriktor bis zur Einbringung in die finale Lagerstätte (Matrix) verfolgt und der Emissionsrucksack berechnet. Das heisst, die Emissionen durch die Energiebereitstellung und den Transport sowie die Methanemissionen werden gebündelt und ausgewiesen. Nach der Registrierung der C-Senke im Global C-Sink Tool muss der Emissionsrucksack kompensiert werden. Die Netto-Senkenleistung wird ins Global C-Sink-Register eingetragen, nachdem die unabhängig Stelle das Projekt verifiziert hat. Mit diesem Eintrag wird garantiert, dass die C-Senke nicht doppelt gezählt werden kann. Nun hat der Hersteller zwei Möglichkeiten: Er kann seine Zertifikate über einen anerkannten Händler vermarkten oder selbst verkaufen. Sobald die Zertifikate verkauft sind, werden sie im Register stillgelegt. Diesen Schritt können nur zugelassene Händler ausführen. Wer also seine Zertifikate selbst verkaufen will, muss entweder eine Zulassung als Händler vorweisen, oder die Stilllegung durch einen zugelassenen Händler kostenpflichtig durchführen lassen.
Ablauf des C-Senken-Zertifizierungsprozesse am Beispiel des Global Biochar C-Sink Standards.
Hohe Glaubwürdigkeit sicherstellen
Das Zertifizierungssystem erscheint sehr komplex. Damit C-Senken-Zertifikate gehandelt werden können, müssen sie transparent und glaubwürdig sein. Dazu braucht es ein System mit mehreren Kontrollmechanismen. Und dieses Vertrauen kostet: 10 bis 20 Prozent des Zertifikatspreises wird aktuell für die Zertifizierung aufgewendet.
Freiwilliger vs. verpflichtender Kohlenstoff-Markt
Im freiwilligen Markt kaufen Unternehmen Zertifikate, um ihre Netto-Null-Strategien zu verfolgen und ihre internen Klimaziele zu erreichen, die gegenüber von Investoren oder Kunden eine immer grössere Bedeutung haben. Dem gegenüber steht der verpflichtende Kohlenstoffmarkt: Hier werden die eingesparten Emissionen oder Senken dem offiziellen, staatlichen Treibhausgasregister angerechnet und tragen dazu bei, dass ein Staat seinen Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen nachkommt. Beide Märkte funktionieren unabhängig voneinander. Mehr zum verpflichtenden Markt erfahren Sie im nächsten Beitrag.